Autokauf in der Finanzkrise

Auf und ab, kurz in astronomische Höhen und anschließend wieder in relative Niederungen – Was mit der VW-Aktie die letzten Monate passiert ist, hat wohl jeder Bundesbürger mitbekommen. Spätestens jetzt ist jedem aufgefallen, dass mit der Börse und der gesamten Finanzwirtschaft etwas gewaltig nicht stimmt, und es sich bei den tagtäglichen Horror-Meldungen nicht nur um Panikmache und Spekulation handelt. Wieso ich das hier anspreche, nur 2 Klicks entfernt vom Pool der ca. 1001 kompetenten Finanzblogs?
Nein, ich bin nicht unter die Spekulanten und Finanzgurus gegangen, es dreht sich hier wieder alles nur um unser vierrädriges Gefährt, das Auto ;) Wobei gerade die Finanzkrise die wichtigsten Indikatoren des Automarktes – Nachfrage und Investitionsmittel – stark beeinflusst, wenn nicht sogar total umgekrempelt hat. Der Gebrauchtwagenmarkt, über den ich schon geschrieben habe, wird noch nicht allzu sehr tangiert, der Neuwagenmarkt hingegen immens. Nun versuchen die Autohersteller, mit einigen Mitteln ihren Absatz wieder zu beleben, was widerrum dem Konsumenten zu Gute kommen kann. Ein Beispiel sind die auf die Verschrottungsprämie folgenden Prämien der Hersteller.

Wieso jetzt ein Auto kaufen?

Die Antwort ist relativ einfach: Derzeit kann man als Neuwagen- oder Jahreswagenkäufer (besonders junge Dienstwagen und Tageszulassungen) im Durchschnitt 15% Rabatt aushandeln, ganz ohne große Diskussion. Laut Rainer Hillgärtner vom Automobilclub Europa sind teilweise Rabatte bis 20% drin, wohlgemerkt bei Autos, die noch nie eine deutsche Straße gesehen haben. Wer sich also sowieso demnächst einen neues Auto zulegen wollte, sollte dies jetzt tun. Beim Autohändler ruhig bestimmt auftreten, der Kunde sollte nicht die Folgen der Finanzkrise wohlwollend tragen, sondern diese Situation ausnutzen und Rabatte fordern, so hart das auch klingt. Der Automarkt ist zu groß und gerade zu schwach, als dass man sich mit ein paar Prozenten abspeisen lassen sollte. Übrigens – Wie beim Gebrauchtwagenkauf gilt auch bei neuen Autos oder Jahreswagen: Vielen Händlern ist es lieber, Zubehör oder Lagerware (anderes Soundsystem etc) mitzugeben als den Rabatt direkt am Kaufpreis des Autos wirken zu lassen.
Noch schnell ein Gerücht hinterher geworfen: In den Monaten August und September stieg die Zahl der Eigenzulassungen (also die auf Hersteller und Händler zugelassenen Autos) von 54.543 auf 74.832, was insgesamt ~28% der neu zugelassenen Autos in Deutschland entspricht. Die Vermutung liegt also nahe, dass in den nächsten Monaten einige Hersteller preisgünstige Angebote via Tageszulassungen und anderen Aktionen offerieren werden… 

Wie lange mit dem Autokauf noch warten?

Hier gibt es verschiedene Ansichten. Eine der zwei Hauptsichten ist, dass man noch länger warten sollte, bis der Automarkt richtig am Boden angekommen ist, das dürfte noch zwei bis drei Monate dauern. Dann würden noch einige Prozente mehr drin sein, wissen die Verfechter. Die andere Meinung lautet, dass ein Interessent jetzt zuschlagen sollte – Da bald einige Leute auf die Idee kommen werden dass es beim Autokauf deftige Rabatte gibt, kann sich der Markt auch wieder relativ schnell erholen. Schließlich ist in der Marktwirtschaft (fast) alles zyklisch. Letztendlich ist es mit dieser Entscheidung genauso wie beim Halten einer VW-Aktie – Verkauft man beim Stand von 1000€, oder hofft man auf weitere Steigung und fällt wieder auf 500€? Trotz aller Unwägbarkeiten bin auch ich der Meinung, dass die nächsten Wochen die beste Zeit sind, sich ein Auto zu kaufen, falls man das sowieso vorhatte.

Der Haken beim Autokauf?

Wo der eine gewinnt, da verliert der andere über kurz oder lang. Klar, dass Gewinneinbrüche – egal ob nun beim Hersteller, Händler, Zulieferer oder anders involvierten – auch meistens Stellenabbau bedeuten, während sich der Autokäufer (zumindest der, der nicht am Arbeitsplatz betroffen ist) über große Rabatte freut, mit der der Hersteller/Händler versucht, seinen Standort zu sichern. Ein weiteres Problem ist die Finanzierung der Autos.
Bedingt durch die Finanzkrise sind Finanzierungen durch hauseigene Banken lange nicht mehr so günstig (ich erinnere an Zinssätze von 0 bis 2,99%) und einfach zu bekommen, wie noch vor einigen Monaten. Ob daran die schlechten Erfahrungen im Subprime-Markt in den U.S.A. schuld sind, oder einfach kein Geld mehr da ist um die eigenen Autos zu subventionieren, weiß niemand.
Eines ist allerdings klar: Der Barzahler ist in diesen Tagen klar im Vorteil und kann beim Autokauf noch ein wenig mehr herauskitzeln als ein Kreditnehmer. Wobei man in diesen Zeiten die gute alte Hausbank für die Autofinanzierung nicht mehr ganz außer Acht lassen darf – Ich habe zum Beispiel bei meiner Sparkasse ein besseres Finanzierungsangebot für Autos gefunden als bei allen Händlern in der Stadt. Vorteil der Hausbankfinanzierung: Da man schon Kunde ist schnelle Bonitätsprüfung, unkomplizierte Geldvergabe, und vor allem: Man finanziert das Auto zwar, kann beim Händler aber als Barzahler auftreten. Zwei Fliegen mit einer Klatsche, und das an solch kalten Tagen, nicht schlecht! =)

 
Euer K

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