Autofahren: Bußgelder 2009
Man bringt ein Familienmitglied zum Flughafen, ist mit dem Auto auf dem Weg zur Arbeit oder wie ich zum Zweitwohnsitz Uni. Jeder kennt die Situation, in der man selbst ungewollt mal auf die ganz linke Spur der Autobahn muss, um einen überholenden LKW selbst hinter sich zu bringen. Und da kommt er schon. Mit flackernden Xenonlichtern beamt sich ein Mittelklassekombi bayerischer Produktion (welche, kann man sich aussuchen) in den eigenen Rückspiegel, bis man den hochroten Kopf des gestressten Adrenalinjunkies (wo gibt’s denn sonst noch wahre Competition, wenn nicht auf der linken Spur?) inklusive das Nummernschild des Boliden erkennen kann. Es wird Nanotechnologie beim Auffahren eingesetzt, links geblinkt und ge-licht-hupt, was das Zeug hält (als ob es dann schneller ginge), bis die unwürdige lahme Ente mit ihrem Vorkriegsauto die heilige Linke endlich wieder freigibt.
Wenn die lahme Ente nicht gerade vor Schreck das Lenkrad verreißt, über die gesamte Fahrbahnbreite schlittert, sich mit ihrem Küken neben der Strecke mit ihrem Auto überschlägt und ums Leben kommt, wie es vor einigen Jahren geschehen ist (schuld war ein drängelnder Testfahrer), ärgert sie sich einfach über den rüpelhaften Drängler, da man selbst mit 140km/h nicht schnell war, aber auch nicht geschlichen ist. Immerhin lautet die Richtgeschwindigkeit auf deutschen Autobahnen 130km/h. Kurz überlegen, ob man die Polizei rufen soll, und den Raser anzeigt? Na, dann wäre man ja nur noch am telefonieren. Schreibkram, Verzögerung, und vor allem – wie beweisen? Aber nächstes Mal bestimmt! Oder wenigstens eine Email beziehungsweise einen Anruf an die Firma, deren Werbung fett auf die Heckscheibe drapiert war? Eine Aufklärung an den Geschäftsführer, wie höchst destruktiv eine solche Werbemaßnahme sein kann? Ok, wenn man dann wieder zuhause ist.
Was täglich auf deutschen Straßen (hier ist der Straßenverkehr ja wenigstens noch ziemlich gesittet ;-) ) passiert, soll im Jahre 2009 noch einmal verschärft kontrolliert und bestraft werden. Finde ich gut, und sicher 82% der imaginär Befragten auch. Da ich die Änderungen selbst noch nicht kannte, habe ich sie mir genauer angeschaut, und möchte euch hier die wichtigsten Änderungen aufführen, auf dass man Bescheid weiß ;)
Zu schnell mit dem Auto unterwegs?
Wer ab Februar 2009 zu schnell mit dem Auto unterwegs ist, hat mit höheren Strafen zu rechnen:
- innerhalb geschlossener Ortschaften 21km/h zu schnell = 80€ Strafe (bisher 50€)
- innerhalb geschlossener Ortschaften 31km/h zu schnell = 160€ Strafe (bisher 100€) und 1 Monat Fahrverbot
- außerorts 31km/h zu schnell = 120€ Strafe (bisher 75€)
- außerorts mehr als 50km/h zu schnell = 240€ Strafe (bisher 150€)
- außerorts mehr als 60km/h zu schnell = 440€ (bisher 275€)
Keine Sicht, und trotzdem zu schnell?
Wer bei schlechter Sicht unter 50m (durch starken Regen, Nebel,…) schneller als 30km/h über der maximalen Geschwindigkeit von 50km/h Auto fährt, muss 120€ zahlen (bisher 75€). Bei höheren Geschwindigkeiten steigt das Bußgeld entsprechend steil.
Ampelüberquerungen bei rot
Wer mit dem Auto über eine rote Ampel fährt, zahlt von 90€ bis 360€, (falls kein Unfall passiert) je nach Gefährdung anderer und der Rotzeit. Bei einem Unfall erhöht sich das Bußgeld drastisch für den Autofahrer.
Vorfahrt geklaut?
Missachtung der Vorfahrt eines anderen Autos kostet nun 100€ statt bisher 50€.
Alkohol und Drogen
Fahranfänger, die sich nicht an die 0-Promille-Grenze halten, müssen sich auf ein Bußgeld von 250€ gefasst machen. Fahrer, die unter Alkohol- oder Drogeneinfluss fahren, zahlen beim ersten Vergehen schon 500€ (bisher 250€). Beim zweiten Mal Rausch und Auto kostet es schon mindestens 1000€, beim dritten Mal mindestens 1500€. Wenn nichts passiert ist, natürlich.
Drängelgage?
Drängler werden härter bestraft (juhu). Wer bei Geschwindigkeiten über 80km/h zu wenig Abstand mit seinem Auto hält, muss mindestens 75€ Bußgeld zahlen (bisher 40€). Bei einem Tempo über 130km/h beträgt der Höchstsatz 600€ (bisher 400€). Dazu gibt es 4 Creditpoints und 3 Monate Fahrverbot… Auch Linke-Spur-Schleicher trifft die neue Regelung: Wer mit seinem Auto das Rechtsfahrgebot missachtet, zahlt ab Februar 80€ statt 40€.
Seitenstreifenfahrt relativ günstig
Wer sich mit seinem Auto an einem Stau via Standstreifen vorbeischlängelt, zahlt in Zukunft 75€ statt 50€.
Rennen? Nicht mit der StVO!
Illegale Rennen sollen härter bestraft werden. Wer ein illegales Rennen durchführt (Organisator) soll 500€ Strafe zahlen, der Teilnehmer mit seinem Auto immerhin 400€. 80% mehr kostet es, wenn das Rennen mit einem verkehrsunsicheren Auto durchgeführt wird.
Wer mit seinem Auto andere gefährlich überholt, zahlt nun 250€.
Meinung
An sich ein guter Schritt, um die übelsten Raser und Drängler vielleicht einmal zur Vernunft zu bringen. Da gibt es nur 2 Haken: Erstens, die Raser und Drängler zu erwischen, und zweitens die teilweise Unausgewogenheit der Strafen. So zahlt ein hartnäckiger Drängler bei Bsp. 100km/h Stoßstangenkuscheln gerade einmal 75€, während der gefährlich Überholende (setze ich mal an Gefährlichkeit gleich) schon mit eher wirkungsvollen 250€ belastet wird.
Aber immerhin ein Fortschritt.
So gesehen, immer sauber bleiben ;)
Euer K
Tags: Blitzer, Bußgeld, Kosten, Polizeikontrolle, StVO
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Oktober 26th, 2010 at 09:12
[...] Ab dem 1. November muss das Auto winterfest sein. Dazu gehört auch die passende Bereifung. Wer künftig bei Schnee und Eis mit Sommerreifen erwischt wird, dem drohen saftige Strafen. Statt wie bisher 20 Euro für die Ordnungswidrigkeit zu berappen, müssen die Winterreifenmuffel dann 40 Euro Bußgeld hinblättern. Wurden durch die falsche Bereifung andere Verkehrsteilnehmer gefährdet, so verdoppelt sich der Betrag sogar auf 80 Euro, hinzu kommt außerdem – wie bisher – ein Punkt in Flensburg. [...]