Gebrauchtwagensuche – Oder: Augen auf beim Autokauf
Die Tage sind kälter, die Straßen nasser, die Temperaturen niedriger.. Winterdepression? Nein, hier dreht sich alles wie gewohnt um das Thema Auto ;-) Besonders Motorradfahrer wie ich, derzeit ohne vierrädrigen Untersatz, kennen das Problem: Auch dem hartgesottensten Biker zittern die Knie, wenn er durch das angelaufene, schon weihnachtlich dekorierte Fenster der Wohnung nur noch weiß und spiegelglatte Straßen sieht. Als ich vor zwei Jahren im trockenen zu meiner ehrwürdigen Schülerjob-Tankstelle fuhr und nach meiner Schicht durch die inzwischen gewachsene Schneeschicht mit meiner Yamaha nach Hause wollte, lernte ich noch mal etwas mehr über Fahrphysik als bei meinem BMW-Unfall im Vorjahr oder gar in der Schule. Aber das sind andere Geschichten…
Quintessenz: Ein Motorradfahrer und andere Leute suchen besonders für den Winter einen Gebrauchtwagen. Der eine, um eine Winterkarre zu haben und diese im nächsten Frühjahr verächtlich schnaubend verschrotten zu lassen (um schnellstmöglich wieder aufs Mottorad zu steigen), der andere, um damit auch durch den nächsten Sommer hindurch mobil zu sein. So oder so, man sollte einiges beachten.
1. Welches Auto suche ich?
Wichtig ist es, sich vor der Suche eines gebrauchten Autos ein paar Dinge klar zu machen. Am besten, man schreibt mit, um sich seine Entscheidungen zu verdeutlichen. Diese wichtigen Parameter bestimmen über die Qualität, den Preis und allgemein über die Auswahlkriterien des Autos, sie sollten also gut überlegt und möglichst nicht mehr geändert werden.
- Wie viel Geld möchte ich für das Auto ausgeben?
- Wie groß muss das Auto sein?
- Für welchen Zweck suche ich das Auto?
- Wie lange möchte ich das Auto behalten?
- Ist mir Design und Prestige wichtig?
- Sind mir die Motor- und Fahrleistungen des Autos wichtig?
- Welche Qualität möchte ich mindestens bekommen?
- Bin ich, was Technik und Preisverhandlung bei Autos angeht, versiert?
- Möchte ich die Gewährleistung eines Händlers, oder traue ich eher Privatleuten?
Allgemein gilt die Faustregel: Umso kleiner und schwächer ein Auto, desto weniger Kilometer hat es meistens auf dem Buckel und desto weniger wurde es „verheizt“. Wer ein größeres Auto mit einem dicken Motor zum gleichen Preis sucht, wird sich schnell auf Schotterplätzen bei zwielichtigen Händlern wieder finden und merken, dass der Markt eigentlich doch ganz gut funktioniert. Das bedeutet: Qualität kostet. Leider kostet auf dem Automarkt getarnter Schrott manchmal eben soviel, doch dazu unten mehr.
Wenn man sich nun oben genannte Fragen selbst beantwortet hat und sich Parameter gesetzt hat (z.B. von 3000-6000€, maximal 100.000km, Kleinwagen, Leistung egal, …), kann sich auf die Suche machen. Das geht heutzutage am besten über … Kleinanzeigen! Nein, natürlich über das Internet. Die zwei größten Börsen sind bekannt, mobile.de und autoscout24.de, wobei mobile.de für mich praktischere Auswahlkriterien hat. Einfach die überlegten Parameter eingeben, einen geografischen Umkreis ziehen (auch das ist eine Überlegung wert: Bin ich bereit, für ein 1000€-Auto 200km zu fahren?) und am besten Marke und Modell frei lassen. Das bringt am Automarkt am meisten Flexibilität und viele Ergebnisse. Hat man sich nun ca. 10 Autos als Favoriten gemerkt, beginnt die engere Auswahl. Hier kann man zum Beispiel folgende Punkte bezüglich der Annonce beachten:
- Rechtsschreibfehler im Beschreibungstext des Autos?
- Unscharfe Fotos, bzw. gar keine Fotos?
- Händler oder Privatverkäufer?
- Preis des Autos verhandelbar?
- Preis des Autos im Vergleich zu anderen überzogen, oder gar auffällig niedrig?
- Kilometerstand realistisch?
- Welche Art Autos verkauft der Händler sonst (viel Export und Schrottkarren?)?
Wenn man nun seine wirklichen Favoriten herausgefiltert hat (am besten 2 bis 5 Autos), kann man sich auf die „reale“ Suche machen. Die beginnt meistens, wie vieles im Leben, mit einem Anruf …
2. Was muss ich bei diesem Auto beachten?
… Oder wieder mal mit dem Internet. Denn zuerst sollte man Bewertungsportale à la ciao.de, und besonders modellspezifische Foren abgrasen, in denen vor typischen Macken und unrealistischen Km- und Preisvorstellungen der Händler gewarnt wird. Nachdem man die Macken kennt, sollte man die gelben Seiten aufsuchen und nach einem Kfz-Gutachter suchen, den man danach anruft und sich ein Angebot für einen Auto-check geben lässt. Meistens bewegen sich hier die Preise von 50 bis 80€ pro Auto, was einem die fachgerechte Bewertung des Autos schon wert sein sollte (immerhin kauft man alternativ die „Katze im Sack“ für mehrere Tausend €). Jetzt erst sollte der Händler angerufen werden, um zu fragen, ob das Auto überhaupt noch verfügbar ist. Am besten keine Terminabsprache halten.
Die Stunde des Gutachters hat geschlagen, er übernimmt ab hier und wird den Kunden zu einer „Probefahrt“ begleiten. Je nach Wunsch wird er sich offen als Gutachter zu erkennen geben, was meist von Vorteil ist. Wichtig: Als potentieller Käufer das Ruder in der Hand behalten, der Gutachter sollte nur ein „Werkzeug“ sein und bleiben. Das erleichtert später die Verhandlung über den Preis des Autos.
Hier noch eine Liste von Verhalten/Gegebenheiten, bei denen man den Hof des Händlers Naserümpfend verlassen sollte:
- der Händler drängt auf eine Gebrauchtwagengarantie
- der Händler will unbedingt bei der Probefahrt dabei sein, bzw. verweigert sie mit Ausrede
- der Händler verkauft größtenteils an den Exporthandel/Schrott
- der Händler ist unsympathisch und wirkt unseriös (wichtig!)
Wenn man nun immer noch auf dem Hof steht, der Wagen an sich gefällt und auch der Gutachter zu stimmt, kann man zur Preisverhandlung übergehen.
3. Bargain the price of the Auto!
Der Auto-Händler will partout keinen Cent heruntergehen? Das ist meist nur Bluff, höchst selten und meist nur bei Fachhändlern gibt es zementierte Festpreise. Ebenso höchst selten sind die angesetzten Preise der kleineren Gebrauchtwagenhändler realistisch. Der Gutachter kann bei der Einschätzung der Margespanne des Verkäufers helfen. Wenn keine Geldwerte heraus zu holen sind, nach Winterreifen oder anderen Gadgets für das Auto fragen, hier werden viele Händler dann doch weich.
4. Fazit Winter-Auto-Kauf
Wichtige Grundsätze sind: Bargeld bereithalten (aber nicht unbedingt dabei haben), niemals alleine zum Händler gehen (am besten immer mit einem Gutachter oder Kfz-Mechaniker), sich nicht drängen lassen (der Markt ist riesig!) und sich möglichst nicht auf ein bestimmtes Modell festlegen. Dann klappt`s auch mit der Nachbarin! Pardon, mit dem Winter-Auto.
Euer K
Tags: Auto, Autokauf, Gebrauchtwagen, Winterauto
August 24th, 2010 at 11:23
[...] genau der Zustand des Autos ist der Knackpunkt. Was kann man als Laie prüfen? Das habe ich schon hier beschrieben, es geht meist um Optik, Haptik und Verschleißteile – Was soll man auch sonst [...]
Juli 20th, 2011 at 14:24
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