Frühjahr der Marder

Zzzzzp. Mehr als dieses Geräusch und das Leuchten der Cockpitkontrollleuchten kam nicht mehr, als meine Freundin das Auto starten wollte. Im Kopf bereitete ich schon eine machohafte Besserwisser-Rede vor, während der ich gönnerhaft den Schlüssel nochmals umdrehen und der Motor des Autos sogleich zu schnurren beginnen würde. Diese Rede ließ ich aber stecken, denn a) kann so was ganz schnell ein Schuss in den Ofen sein und b) hatte ich einen Verdacht, da es auch einem Kumpel von mir vor kurzem genauso erwischt hat. Besser gesagt erwischt wurde, von einem komischen Tier dass es scheinbar grundlos auf die Kabelstränge in Motorräumen aller Modelle und Marken abgesehen hat. Ein Steinmarder.
Marderschäden sind ärgerlich, da sie ganz schnell sehr aufwendig und teuer werden können, je nachdem wie gut der Motorraum geschützt, wie offensichtlich die Kabel verlegt sind und natürlich wohin der freundliche Zeitgenosse eigentlich wollte. 2007 entstanden durch Marder rund 40 Millionen € Schaden, beziehungsweise Mehrwert für Werkstätten. Zum Ärger der Versicherungen und natürlich der Autobesitzer. Natürlich beißen Marder nicht zum Spaß Kabel im Motorraum durch, und selbst wenn ein umsichtiger Autobesitzer die Bordspannung mal eine Nacht lang laufen lassen würde, könnte das den Marder nicht von seinem scheinbar eigenwilligen Ansinnen abbringen. Denn letztendlich ist es die Motorwärme, die geschützte Lage und die Verfügbarkeit (wo parken denn heutzutage keine Autos), die die Marder immer wieder die Motorhaube gegen ein Blätter- oder Erddach tauschen lassen. Leider wissen die Marder nicht, dass ein Auto nur eine kurzweilige Bleibe ist, sie auch nachts mobil werden kann und dass vor allem die lästigen Kabel im Wohnraum auch einen gewissen Sinn besitzen. Der Marder beißt Kabel jedoch nicht ob deren Lästigkeit durch, sondern nur, wenn er die Geruchsmarkierungen eines anderen Männchens findet, der aus oben genannten Gründen im Motorraum vorher übernachtet hat. Man will es kaum glauben, aber der Marder sieht in diesem Fall quasi rot und beißt alles, was sich um ihn herum befindet. Was nachgibt, bricht, was weich ist, wird gelöchert. 

Welche Kabel sind gefährdet?

Besonders offen liegende Kabel in Richtung Zündung, Einspritzanlage, Lambdasonde und Wasserschläuche gelten als gefährdet.

Was kann man gegen Marderbisse tun?

Eigentlich hilft nicht viel. Man kann aber bei häufigem Marderbesuch eine Motorwäsche durchführen, die die Geruchsmarkierungen der Tiere entfernen soll. Zudem hilft eine Unterbodenabdeckung, wie sie aber nur die wenigsten Hersteller liefern (z.B. VW). Alternativ gibt es Stromschlagsysteme, die für 50€ sehr wirksam sein sollen. Allerdings helfen sie nur, wenn sie den Marder direkt beim Einstieg berühren. Was wohl am effektivsten hilft sind Schutzummantellungen für offen liegende Kabel. Problem: Wenn diese nicht schon bei der Produktion verbaut werden, kann es schwierig mit der Ausrüstung werden.

Was tun, wenn ein Marderschaden vorliegt? 

Meistens erkennt man einen Marderschaden nicht sofort. Je nachdem wo das Tier zugeschlagen hat, funktioniert das Auto entweder ganz normal, eingeschränkt oder gar nicht. In jedem Fall sollte eine Werkstatt übernehmen, denn Folgeschäden können auch bei Euro-Teilen sehr teuer werden. Beispiel Lambdasonde: Beißt der Marder das Kabel durch, ist bei vielen Modellen eine neue Sonde nötig. Dasselbe gilt für Einspritzanlagen, weniger für Wasser- und Kühlschläuche. Achtung: Nicht alle Versicherungen bezahlen Folgeschäden, oder zumindest nur begrenzt – Eine übliche Summe sind hier 4000€. Nicht viel, deswegen lieber gleich checken lassen bevor mehr daraus wird.

Allgemeine Informationen, Hintergründe und Abwehrmöglichkeiten gibt es beim Arbeitskreis Wildbiologie, die vor ein paar Jahren zusammen mit namhaften deutschen Autoherstellern und der Universität Gießen das Projekt Marderbisse im Motorraum ins Leben gerufen und die Ergebnisse auf deren Homepage veröffentlicht haben. 

Marder olé,
Euer K

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