Nissan 200SX S13 – ein Portrait
„Wie bist du denn auf den Nissan 200 SX gekommen?“ fragten mich Freunde. Ich konnte ihnen keinerlei Erklärung liefern, weswegen ich mich für das silber-metallisch glänzende Sportcoupé, das keiner von uns kannte, entschieden habe. Wohl hat der Preis eine Rolle gespielt, denn für 1700€ konnte ich ihn vom Schotterplatzhändler mitnehmen. 169 Turbo-PS aus 1,8 Liter Hubraum und 1200Kg Leergewicht, dazu Heckantrieb (=Driftneigung) und das flache Design – Fortan störten mich die knapp 150.000 abgespulten Kilometer, die fehlenden Airbags, der zwielichtige Händler und das betagte Alter (mit Baujahr 1989 nur 2 Jahre jünger als ich) des Autos weniger bis gar nicht mehr. Obwohl ich bald Wochenendpendler werden würde, interessierte mich selbst der Spritverbrauch kaum. Zu fasziniert stand da ein 19-jähriger, angehender Ingenieursstudent vor seinem ersten eigenen, und vor allem selbst finanzierten Auto.
Fahreindruck des Nissan 200 SX
Was die puren Daten anmuten lassen, bestätigt sich in der Praxis. Heckantrieb, 1200Kg, 170 PS aus relativ wenig Hubraum ohne Traktionskontrolle – Kein Wunder, dass das Auto eine Zeit lang bei Driftwettbewerben ein großer Name war (und teilweise noch ist). Laut GPS schafft der S13 nach relativ wenig Anlauf echte 240km/h, was zum einem dem lang übersetzten 5. Gang, zum anderen der fülligen Drehmomentkurve zu verdanken ist. Den Sprint von 0 auf 100 km/h bewältigt das Auto in nur 7,5 Sekunden, wohlgemerkt im Serienzustand von 1989. Fahrwerkstechnisch war der Nissan 200 SX S13 (ab Bj. 1989) damals ein Technologieträger, mit 40.000 DM Grundpreis jedoch auch kein Schnäppchen. Der Verbrauch, den einige Freunde scherzhaft auf 30 Liter/100Km schätzten, lag komischerweise stets bei 9 Litern. Als ich anfing zu begreifen, dass es meinem Portemonnaie besser täte, wenn ich mich auf meinen Pendlerstrecken (700km/Woche) an die Richtgeschwindigkeit (120-130 km/h) hielte, schaffte ich teilweise Verbräuche um die 7 Liter/100km. Bei diesen Leistungsdaten, unter Berücksichtigung des Alters von 19 Jahren, kann sich eigentlich manch aktuelles Fabrikat eine Scheibe von diesem Auto abschneiden. Fazit: Ich hatte sehr viel Spaß – Von kraftvoller Beschleunigung und sportlicher Fahrweise auf der Landstraße bis zum Autobahnbolzen war mit dem Nissan alles drin. Ein Tipp auf das Gaspedal, ein Lenkimpuls, das Heck steht schräg. Manche erschreckten nun, manche fingen an zu grinsen – ich grinste oft. Optisch habe ich ihn lediglich durch 17“ Aluminium-Tiefbettfelgen aufgewertet, ansonsten beließ ich den Nissan im Originalzustand.
Die Kehrseite : Schwächen des Nissan 200SX S13
Es ist ganz klar, dass einerseits der Wertverlust, andererseits der Verschleiß an den anfänglich 40.000 DM Wert genagt hatten. Vielleicht war es von mir auch zu naiv zu glauben, ein PS-starkes Auto für wenig Geld halte ewig. Jedenfalls fiel mir nach mittlerweile 20.000 Pendlerkilometern der schnelle Verschleiß der Bremsscheiben und –Beläge auf. Auch alle Stoßdämpfer und die ganze Karosserie zeigten Ermüdungserscheinungen. Besonders betrübten mich jedoch die Rattergeräusche aus dem Motorraum, und die blaue Fahne am Ende der Fahnenstange. Zuerst dachte ich, es handele sich um den Turbo, der eine häufige Schwachstelle am Nissan 200 SX darstellt. Leider musste ich nach dem Lösen unzähliger Schrauben des Hitzeschutzes über dem Serienkrümmer feststellen, dass 3 Schraubenbolzen des Krümmers im Zylinderkopf abgebrochen waren und der Krümmer nicht mehr luftdicht anschloss. Folgen: Leistungsverlust (da der Turbo auch nicht mehr richtig arbeiten kann), dadurch Anfettung des Gemischs, dadurch widerrum Schäden am Kat und so weiter. Die erheblichste Folge war aber wahrscheinlich, dass Abgase in den Innenraum gelangten.. Leider verzichtete ich auf eine Profi-Reparatur, die mich ca. 1500€ gekostet hätte, und ließ einen angeblich versierten Schrauber an die Arbeit. Dass dieser den Zylinderkopf vollends zerstören würde und ich mein geliebtes Auto für 300€ verschleudern müsste, wusste ich bei dieser Entscheidung noch nicht. 2 Dinge lernte ich bei diesem traurigen Kapitel. Erstens: Reparaturen nur beim Profi, auch wenn es teuer wird. Zweitens: Mach dich über Schwächen des Autos bekannt, das hilft Erkennen und Vermeiden (hätte ich am Anfang nur die Schrauben gegen neue ausgetauscht..). Um Gebrauchtwageninteressenten eine Hilfe zu geben, hier ein paar Tipps zum Kauf eines Nissan 200 SX:
- Allgemein immer einen Gutachter, oder einen befreundeten KFZ-Mechaniker zur Besichtigung mitnehmen (lieber 50€ bezahlen, als Tausende in den Sand zu setzen)
- An diesem Auto wird gerne herumgebastelt. Wenn das der Fall ist, Finger weg von Privatprojekten („Ich habe den Ladedruck selbst erhöht..“)! Bei Tuningarbeiten, die durch einen Fachbetrieb durchgeführt wurden, Rechnungen zeigen lassen und den Gutachter entscheiden lassen. Wohlgemerkt: Zumindest Motor-Tuning ist stets ein Kompromissgeschäft.. Ein paar PS mehr, ein wenig Haltbarkeit verloren, etc.
- Karosserie rostet gerne in den Radkästen, im Motorraum an den Stoßdämpferaufnahmen und besonders im Bereich der Wagenheberaufnahme
- Der Turbolader muss oft ersetzt/ überarbeitet werden. Ohne Ein- und Ausbau kostet die fachmännische Überarbeitung ca. 400€
- Die Stehbolzen des Krümmers brechen nach einem erfüllten Autoleben gerne ab und können große Probleme bereiten (siehe oben). Ein neuer Schraubensatz von Nissan kostet knapp 100€, eine gute Investition.
- Spur und Verschleißbild der Reifen prüfen, der Nissan 200 SX wird gerne sportlich bewegt
Marktsituation Nissan 200 SX S13
Letztendlich empfehle ich einen unverbastelten, am besten generalüberholten Nissan 200 SX mit neuen Verschleißteilen und Schaltgetriebe. Ab Baujahr 1991 mit Facelift und einigen Änderungen im Detail ist der Nissan ab und an auch mit niedriger Laufleistung zu haben. Auf jeden Fall sollte man mindestens 4000€ in diese Youngtimerrakete investieren, unter diesem Preis sind die Angebote einschlägig. Das Angebot an sich ist auf das Bundesgebiet verstreut akzeptabel, besondere „Perlen“, zum Beispiel wenig gefahrene Exemplare vom Nissanhändler (und damit mit Gewährleistung) sind aber schnell verkauft.
Résumé über den Nissan 200 SX
Nach 6 schönen Monaten und knapp 30.000 Km trennte ich mich unfreiwillig von meinem ersten Auto, dem Nissan 200 SX. Mittlerweile belächelte ihn niemand mehr, jeder lieh ihn sich gerne aus und ließ mir sein eigenes Auto dafür stehen. Schade, dass ich die Reparatursumme nicht aufbringen konnte/wollte, ansonsten würde ich heute noch Nissan fahren. Wer einen schönen, sportlichen Youngtimer kaufen möchte, der es einerseits (fahrtechnisch) mit den meisten aktuellen Karossen aufnehmen kann, andererseits wohl bald als Sammlerstück (wenn gut erhalten) gehandelt wird, ist mit diesem Auto sehr gut bedient.
Er bietet zwar nicht den Luxus heutiger Sportcoupés, aber passend für einen japanischen Sportler: Ex oriente lux, ex occidente luxus („Aus dem Osten das Licht, aus dem Westen der Luxus“).
Euer K
Tags: Auto, Autokauf, Nissan, Nissan 200SX, Youngtimer
Mai 27th, 2009 at 23:54
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Januar 21st, 2010 at 14:26
[...] und “suche krasse Kiste” nicht zusammen passen. Zumindest nicht auf Dauer, siehe mein Nissan [...]
April 21st, 2010 at 16:14
[...] des 350ers. Jener hat mir beim Erscheinen nicht sonderlich gefallen, war ich doch noch zu stark vom 200SX beeinflusst. Der 370Z macht alles wieder gut, auch wenn ihm ein Biturbo sicher gut gestanden [...]