Wintercheck für dein Auto!
Ja, ja, schon ganz oft gehört. Auto im Winter? Die Batterie streikt des Öfteren, die Scheiben sind vereist und Frostschutzmittel muss eingefüllt werden. Also eine neue Auto-Batterie gekauft, einen Gratiskratzer an der Kasse abgegriffen, Winterreifen drauf und weiter geht’s.
Wieso also weiter lesen?
Nun, der Wintercheck beim Auto ist umfangreicher als ich selbst dachte. Mein Bruder wird den kompletten Dezember „vakant“ sein und bot mir an, mir sein Auto unentgeltlich zu leihen (endlich wieder einen Mini fahren!) – falls ich mich dazu bereit erkläre, einen Wintercheck durchzuführen. Nichts leichter als das, dachte ich, kein Problem.
Analyse des Autos
Nun gibt es zwei Möglichkeiten, sein Auto für den Winter fit zu machen, beziehungsweise es fit machen zu lassen. Denn viele Dienstleister wie der TÜV, Dekra, Pitstop, A.T.U. und regionale Werkstätten bieten kostenlose oder sehr kostengünstige Winterchecks an. Dann darf man sich aber nicht wundern, wenn man bald einen Kostenvoranschlag für neue Türdichtungen und Reifen in den Händen hält – Auch der kostenlose Wintercheck bedeutet für die Werkstätten Zeitverlust und wäre ohne den Fakt der Kundenbindung unrentabel. Das ist legitim, dennoch nicht jedem Autofahrers Sache.
Wer lieber selbst Hand anlegt und sein Auto Winterfit machen möchte, sollte vorerst besonders auf folgende Punkte achten:
- - Kühlkreislauf (Frostschutz? Flüssigkeitsstand?)
- - Reifen (Mindestprofiltiefe? Alter?)
- - Batterie (Spannung messen? Alter? Startverhalten?)
- - Generator (flackert das Abblendlicht im Leerlauf? Batterie oft leer?)
- - Anlasser (Probleme beim Start?)
- - Beleuchtung (poröse, zerkratzte, vergilbte Scheiben oder Reflektoren? alte Glühbirnen?)
- - Scheibenwischer- und Waschanlagen (Wischer porös oder „stumpf“?)
- - Heizungs- und Lüftungssysteme (Funktioniert Heizung und Scheibenbelüftung?)
- - Türdichtungen (porös, angelaufen?)
- - Schlösser (geölt?)
- - Autoscheiben (Risse, Kratzer, Schläge?)
- - Lack (Rost, Platzer, Blasen, Kratzer?)
- - Motor (Ölstand? Ventilklappern? Ölsorte?)
Um nur einige Dinge zu nennen. Na, an alle Punkte schon im Voraus gedacht? Man sieht, das Thema Auto im Winter ist gar nicht so trivial, wie ich anfangs dachte.
Vorsorge beim Auto
Welche Dinge sollte man vor dem Winter also unbedingt tun, welche unbedingt vermeiden?
Eine der häufigsten Unfallursachen im Winter sind der Fahrstil des Fahrers, und die Reifen des Autos. Manch einer vergisst, dass Winterreifen schon unter 8°C angesagt sind, auch wenn die Sonne noch scheint (aus diesem Grund hatte auch ich den zweiten Crash meines Lebens). Abhilfe schaffen also ein Fahrsicherheitstraining und gute Winterreifen. Dass das Auto wegen der weicheren Karkasse und Gummimischung nicht mehr für 300km/h zugelassen sein kann, stört zwar einige, die meisten Autofahrer können auf Sonderkennungen aber verzichten (was Kosten und Nerven spart). Weiter zu den Türen: Wenn das Eis zuschlägt, kann das bitter für die Dichtungen enden. Denn egal ob zugefroren oder nicht, der Nutzer muss zur Arbeit und reißt die Tür notfalls auf. Und die Dichtungen mit.
Deswegen: Schon vor kalten Nächten die Dichtungen mit Allzweckfett oder Vaseline einreiben (ruhig dicker) um einem Zufrieren der Autotüren entgegen zu wirken. Lackschäden sind wegen der höheren Belastung im Winter durch Feuchtigkeit und Streusalz schon im Herbst auszubessern, allgemein hilft hier eine Wachspolitur auf der gesamten Karosserie sehr gut. Im Kofferraum sollten sich stets Handbesen, Eiskratzer, Wasser, eine warme Decke, ein Startkabel und Handschuhe befinden, für alle Fälle. Der Motor wird im Winter langsamer warm, muss kälter starten, was in extremen Regionen eine andere Viskositätsklasse beim Öl nötig macht. In Deutschland ist das meist nicht nötig, der Ölstand sollte aber immer korrekt sein, da der Motor kalt empfindlicher ist. Man bedenke auch die längere Warmfahrzeit, die höhere Belastung der Batterie und des Anlassers.
Wegen der längeren Warmfahrzeit sollte man sich am Anfang jeder Fahrt im Auto nur in den ersten zwei Dritteln der möglichen Motordrehzahl aufhalten. Ein höherer Gang bringt übrigens im Vergleich zum niedrigeren bei gleicher Geschwindigkeit weniger Drehmoment auf die Räder, weswegen dann z.B. die Heck- oder Frontpartie (je nach Antrieb) nicht so leicht wegrutscht.
Vermeiden sollte man im Winter unbedingt das Fahren mit beschlagenen Scheiben, auch wenn man es noch so eilig hat. Unfälle, aber auch Bußgelder können folgen, dann lieber die Scheibe komplett frei kratzen, Schnee komplett entfernen und den Innenraum heizen. Dass es dem Motor schadet, wenn man ihn im Leerlauf laufen lässt während sich die Scheiben befreien, ist übrigens lange überholt – der Umwelt kommt es trotzdem nicht zugute.
Zu vermeiden sind ebenfalls verstopfte/zugefrorene Waschwasserdüsen für die Front- und Heckscheibe. Deswegen frühzeitig Forstschutzmittel einfüllen und die Scheibenwischanlage etwas länger durchlaufen lassen, damit das Frostschutzmittel auch die Düsenausgänge schützt.
Fazit – das Auto im Fitnesstest:
Nach all diesen Prüfungen und Überlegungen sollten inklusive etwaiger Besorgungen (neue Birnen, Frostschutzmittel,..) etwa 3 Stunden vergangen sein. Kein schlechter Zeitfüller an einem Samstagnachmittag, aber nun kann man sich sicher sein, dass sein Auto winterfest ist. Zudem hat man sein Auto besser kennen gelernt.
Wer sein Auto besser kennt, fährt auch besser.
Wer besser Auto fährt, kommt sicherer durch den Winter.
Wer sicherer…
Und wer doch keine Lust auf schmutzige Hände hat, fährt zu einem kostenlosen oder günstigen Wintercheck, und prüft den eventuell ausgedruckten Kostenvoranschlag eben genauer durch. Vielleicht ist ja was dran.
Euer K.
Tags: Auto, Sicherheit, Winter, Wintercheck
November 5th, 2009 at 12:28
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